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Schüchterner Star der Klassik-Szene - "Alban Gerhardt ist ein Cellist, der Herausforderungen schätzt

ie Augen sind geschlossen, Alban Gerhardt hält sein Cello umschlungen und wiegt es im Takt der Musik. Das ist keine Show, sondern ein ehrliches Hineinfallen in das Stück, seine Kraft und seine Brühe.

'Manchmal habe ich Gleichgewichtsprobleme, wenn ich danach aufstehe', sagt der 33-jährige. Umgekippt ist er aber noch nie. Es gibt kaum ein wichtiges Orchester auf der Welt, mit dem Alban Gerhardt noch nicht musiziert hat: Berliner Philharmoniker, London Philharmonic, Chicago Symphony Orchestra: 'Das ist ein geniales Gefühl, besser als Drogen.' Als Kind beschreibt sich Alban Gerhardt als 'das schüchternste Wesen überhaupt. Mit dem Cello habe ich mich geöffnet, ich konnte plötzlich mit anderen kommunizieren. Das Cello ist mein Psychiater.' Im Konzerthaus Dortmund spielt er nun drei Tage lang Haydn's D-Dur Konzert, ein schönes Stück, aber - so erzählt Gerhardt offen - nicht unbedingt seine erste Wahl: 'Ich würde im Ruhrgebiet auch gern mal etwas anderes spielen als Haydn'.

Gerhardt liebt Herausforderungen. In New York wurde er von seiner Agentur in die Bronx geschickt, an eine Schule, die gerade wegen zu großer Brutalität geschlossen war. 'Wir mussten durch Metallketektoren hindurch, ich fand das völlig unter meiner Würde.' Dann stand der Cellist vor 16- bis 17jährigen farbigen Jugendlichen, HipHop-Kids, die sich nicht die Spur für klassische Musik interessierten. Alban Gerhardt ist Sportfan.

Wie die Jugendlichen hatte er am Abend vorher Basketball im Fernsehen gesehen. Davon erzählte der Cellist, und plötzlich fielen ihm Parallelen zwischen seiner Musik und Basketball ein. Die Schüler lachten, hörten zu, und zwei Mädchen kamen nach dem Konzert zu ihm, weil sie Cello lernen wollten. Weil er inder Bronx so einen Riesenspaß hatte, biete Alban Gerhardt jedem Orchester, bei dem er engagiert ist an, ohne Bezahlung in Schulen zu gehen. 'So ein Cello mal aus der Nähe zu erleben, hat immer eine Wahnsinnswirkung. Aber in Deutschland springt kaum jemand darauf an.' Ein bisschen schwingt hier die eigene Erfahrung mit, durch Musik ganz andere Dinge erzählen zu können, als man es sich mit Worten trauen würde."

Stefan Keim, Westfalen Post, 3.April 2003

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