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Vom Buddelkasten in den Konzertsaal - Der Cellist Alban Gerhardt ist einer der Solisten beim heutigen Eröffnungskonzert des Beethoven fests. Ab Oktober will er als Leiter der Siegburger „Resonanzen“-Reihe kammermusikalische Akzente setzen

ütter sind immer für Anekdoten gut. Der spanische Cellist Pablo Casals behauptete: „Wenn es nach meiner Mutter gegangen wäre, hätte ich durchaus Tischler werden können – kein sehr guter, fürchte ich.“ Sein junger Kollege Alban Gerhardt bekennt, er habe mit etwa acht Jahren dem Vorschlag seiner Mutter, Cello zu lernen, nur zugestimmt, um in Ruhe weiter „im Buddelkasten“ spielen zu können.

Was nach außen wie kindlicher Trotz wirkte, knüpfte insgeheim an eine Familientradition an. Der Vater von Alban Gerhardt ist Cellist bei den Berliner Philharmonikern. Mittlerweile kann der 32-Jährige auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. 1990 gewann er in Bonn den Deutschen Musikwettbewerb und 1993 den Leonard-Rose-Wettbewerb in Washington. Gastspiele mit renommierten Orchestern und Kammermusikrecitals führten ihn quer durch Europa und die USA, CD-Einspielungen und Rundfunkproduktionen kommen hinzu. Gelernt hat er Cellospiel bei Boris Pergamenschikow.

Am heutigen Freitag ist Alban Gerhardt im Eröffnungskonzert des Beethovenfestes in Beethovens Tripelkonzert C-Dur op.56 zu hören. Anders als das berühmte Cellokonzert von Dvorak müsse das Tripelkonzert immer wieder geübt werden. „Das Dvorak-Konzert ist ein typischer ‚Einspringer‘. Man bekommt einen Anruf, hat nur wenig Zeit zu üben, und dann muß das Stück klappen.“ Vor gut einer Woche war es für Alban Gerhardt wieder soweit: Bei den Londoner „Proms“-Konzerten in der Royal Albert Hall spielte er das Dvorak-Konzert zusammen mit dem City of Birmingham Orchestra. Heinrich Schiff hatte abgesagt.

Anders dagegen Beethovens Tripelkonzert: Kammermusik mit Orchester, ein Balanceakt dreier Solisten vor sinfonischem Hintergrund. „Ich finde es gut, dass die Beethovenfeste das Stück mit drei wirklichen Solisten riskieren statt mit einem eingespielten Klaviertrio“, sagt Gerhardt. Er ist eben ein leidenschaftlicher Konzertspieler. Im Gespräch mit Alban Gerhardt erlebt man einen jungen Mann, der unkompliziert und erfrischend ehrlich über alles Mögliche plaudern kann: Musik, Sport, Politik. Egomanische Eitelkeiten sind ihm zuwider. Auf seine Homepage (www.albangerhardt.com) hat er einen selbst verfassten Lebenslauf gestellt: ein persönlicher Blick auf sich selbst, mit Sinn für Humor und Selbstironie.

In der Region Bonn-Rhein-Sieg wird man demnächst öfter auf Alban Gerhardt treffen. Ab der Saison 2001/2002 ist er als künstlerischer Leiter der Kammermusikreihe „Resonanzen“ engagiert, die ihre Konzert im Stadtmuseium Siegburg präsentiert. „Ich stelle fest, dass mehr und mehr die kleinen, aber künstlerisch ambitionierten Kammermusikreihen aussterben“, begründet Alban Gerhardt seine neue Funktion. Die neue Saison, die m 26.Oktober startet, beeinhaltet insgesamt fünf Konzerte. Alban Gerhardt wird in zwei Kammermusikabenden zu hören sein. Außerdem sind hochkarätige Einsembles wie die „Amsterdam Strings“ oder das „Ensemble Wien-Berlin“, aber auch der Pianist Lars Vogt verpflichtet. Alban Gerhardt denkt auch an die Zukunft. „Wir müssen uns um junges Publikum, insbesondere Kinder bemühen.“ Was in den USA bereits üblich ist, will der Cellist in Verbindung mit den Konzerten auch in Siebgurg etablieren: Künstler in die Schule. „Die spielen dort eine Stunde in der Aula und können dann von den Kindern und Jugendlichen mit Fragen gelöchert werden.“ Alban Gehardt selbst wird wieder gerne erzählen: zum Beispiel wie er einmal Deutscher Jugendmeister über 1000 Meter wurde.

Matthias Nofze, Bonner Generalanzeiger, 21. September 2001

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