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Abseits vom Mainstream: Alban Gerhardt, der Querdenker am Cello, auf dem Weg zum Weltstar Bedenkt man, dass ein "Cello-Wunder" wie die Koreanerin Han-Na Chang schon im Alter von drei Jahren den Korpus eines Cellos umklammerte, hatte Alban Gerhardt den Nachholbedarf des Spätentwicklers: "üben, üben, heute noch. Und nicht die wilden Stücke durchspielen, wie das die Pianisten tun, um in Form zu bleiben, sondern immer wieder die Basis stärken. Stundenlang leere Saiten streichen, erster Finger, zweiter Finger, breit aufsetzen, um einen schönen fleischigen Ton zu erzeugen, jeden Tag aufs Neue das Einmaleins der Streicher."...."Die Stücke für Cello sind spieltechnisch alle nicht so wahnsinnig schwierig, nicht mal das von Dvorak. Das ist glamourös, aber eben nicht wirklich schwer", findet er heute. Alban Gerhardt spielt grundsätzlich auswendig, sogar Ausgefallenes und vertrackt Modernes wie etwa das Cellokonzert von Dutilleux. "Natürlich halte ich mich an das, was in den Noten steht. Aber erst, wenn ich ein Stück aus- und inwendig kann, kann ich etwas Eigenes daraus machen, es zu meinem Stück machen." Entsprechend unverwechselbar und persönlich sind denn auch Alban Gerhardts Interpretationen, die sich vom mausgrauen "meno mosso" des heutigen Aufführungsstils abheben wie ein Fasan von der Feldhuhnschar. "Er spielt, als ginge es um sein Leben", attestierte ihm gerade ein US-Kritiker in San Diego. "Das ist für mich die positivste Kritik, die ich mir vorstellen aknn", meint Alban Gerhardt, denn "jeder Augenblick zählt, jeder Ton ist der wichtigste." Kein Wunder, dass die Reihe der Eilteorchester, die ihn als Solisten einladen, immer länger wird un die der Dirigenten immer prominenter. Dabei hat er seine größeren Fangemeinden in England, wo er schon dreimal bei den Londoner Proms auftrat, und in Amerika. Der Mann, der alles anders macht: Als seine Heimatstadt Berlin Anfang der neunziger Jahre zum Magneten wurde, ging er nach New York. Aus Liebe zu der Stadt und zu seiner Frau Katalina Segura, einer Pop-Diva aus Puerto Rico. Gewann dort den Leonard-Rose-Wettbewerb, für einen jungen Cellisten der edelste Lorbeer. Erspielte sich seinen Platz im internationalen Konzertleben, drosch das Tennis-Racket, bis er kaum noch wusste, wie der den Cellobogen halten sollten. Noch immer stehen Basketball und Hockey auf seiner Hitliste, neuerdings ist er heiß auf Beach-Volleyball. Vielleicht sollte er die Versicherungspolice seiner Hände über eine Viertelmillion Euro allmählich aufstocken... Nach sieben Jahren am Hudson lebt er jetzt wieder in Berlin, Charlottenburger Altbau, ein bisschen bürgerliche Boheme. "Für das Kind ist es besser, demnächst hier in die Schule zu gehen." Seine Frau will nun eine europäische Karriere versuchen. Und hat ihren Cello-Klassiker längst mit lateinamerikanische Rhythmen infiziert, wie eine seiner neueren Cds verrät. Aus den USA ist es Alban Gerhardt noch gewohnt, in die Schulen zu gehen un den Kids einen Begriff von klassischer Musik zu geben. Nicht mit pädagogischem Zeigefinger, sondern locker und lachen. Den Musikclown kann er wirklich gut. In Berlin hat er solche Gratisangebote bisher vergebens gemacht. Verkehrte Welt. Bald sind in den Schulen der Bronx Geige und Flöte vertrauter als in Kreuzberg und Marzahn. "Ich fürchte nicht wirklich, dass das Konzertpublikum ausstirbt. Es sind immer schon die Älteren gewesen, die ihren Sinn für klassische Musik entdeckten. Solange man jung ist, kann es nicht wild genug zugehen, aber später hat man es dann doch ganz gern, wenn die Musik Maß und Melodie hat", spricht sich Alban Gerhardt Trost zu. Was Moderne durchaus einschließt: Wie ein Kind auf Weihnachten freut sich Gerhardt auf ein Cellokonzert, das die koreanische Komponisten Unsuk Chin für ihn schreiben will." Reinhard Beuth, Madame, November 2003 |
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