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"Das Cello ist das Instrument, mit dem ich singen kann..." Nachdem der junge Cellist 1997 bereits mit einem Cellokonzert von Alfred Schnittke in Dessau gastierte, stellt er sich den erhofft zahlreichen Konzertbesuchern dieses Mal mit Dmitri Schostakowitschs Violoncellokonzert Nr.2. vor. "Es hat mir damals wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit diesem Orchester zu arbeiten", nennt er einen Grund, erneut in das "wunderschöne Theater" gekommen zu sein. Orchestern wie dem Dessauer bescheinigt er "oftmals viel mehr arbeitswillen und -freude" als den großen namhaften Orchestern. Der gebürtige Berliner Alban Gerhardt, der heute in New York lebt und in seiner jungen Laufbahn bereits mit zahlreichen renommierten Orchestern und Dirigenten zusammengearbeitet hat, ist einer, der offen und ehrlich direkt seine Meinung sagt. Auch was die Qualität von Dirigenten betrifft. Und da liegt der zweite Grund für den zweiten Dessauer Auftritt. Mit Carlos Kalmar verbinden ihn seit dem Deswsau-Debüt 1997 nicht nur ein ständiger Kontakt, er schätzt ihn auch als einen "wirklich guten und engagierten" Orchesterleiter. Dei Dessauer aber haben mit Alban Gerhardt eben auch einen hervorragenden Solisten für ihr 7.Sinfoniekonzert. Der heute 30jährige begann mit acht Jahren mit dem Klavier-und Cellounterricht. Früh schon erhielt er Preise bei zahlreichen Wettbewerben. Er studierte in Berlin, Cincinnati und Köln. 1990 begann seine bisher bereits so erfolgreiche internationale Karriere, als er beim deutschen Musikwettbewerb in Bonn und beim Internationalen ARD-Wettbewerb in München gewann. Jüngste Ehrung ist der ECHO-Preis in der Kategorie "Nachwuchskünstler", den Alban Gerhardt im Oktober vergangenen Jahres für eine CD mit Werken von Johannes Brahms bekam, die er gemeinsam mit Markus Groh (der ebenfalls schon in Dessau konzertierte) aufnahm. "Das Cello ist das Instrument, mit dem ich singen kann", erklärt Alban Gerhardt, warum der doppelt Ausgebildete dem Streichinstrument den Vorrang gegenüber dem Klavier gab. Das Cello kommer der menschlichen Stimme nah. Das war dem Musiker wichtig, der mit dem Gesang aufgewachsen, ihm verfallen ist, dessen Mutter Sängerin ist und "eine wunderschöne Stimme" hat. "Ich habe solche Stimme nicht", aber er können eben mit dem Cello "singen". "Auf dem Klavier gelingt das wirklich nur sehr wenigen." Vorbilder für den jungen Musiker? "REs gibt kein wirkliches Idol. Ich lasse mich von vielen Musikern, auch Dirigenten inspirieren. Aber ich mache nichts nach. Nicht, weil ich zu stolz bin, sondern weil ich so viele eigene Ideen habe." Natürlich sei Mstislaw Rostropowitsch wichtig für jeden Cellisten. Viele Stücke, sagt Alban Gerhardt, seien geschrieben worden, weil es Rostropowitsch gibt. Er habe das Cellospiel wesentlich profiliert, es salonfähig gemacht. "Durch ihn ist es lauter geworden, kann sich mehr gegen große Orchester durchsetzten". Der Norweger Truls Mörk ist für ihn ein weiterer wichtiger Cellist, wie es aber "viele andere großartige gibt". Im Dessauer Konzert spielt Alban Gerhardt Schostakowitschs Violoncellokonzert Nr.2 Dazu hat er nicht so oft Gelegenheit. Dabei ist es "eines meiner Lieblingsstücke". Auf so ganz andere Art als andere Cellokonzerte "spricht es tief in der Seele an, geht ins Herz". Als er sie das erste mal gespielt hat, diese Musik, die tieftraurig ist, tragikkomisch und auch sarkastisch, die scheinbar versöhnlich und doch mit "einem teuflischen Lächeln" endet, "wußte ich nicht, ob das Publikum es mag". Schostakowitsch überzeugte die Zuhörer und den Musiker. "Ich glaube, es ist sehr gut zu verstehen." Es erzählt, wie überhaupt die Werke dieser so besonderen Persönlichkeit Schostakowitsch, "viel über das Leben". Musikalische Bekenntnisse. Alban Gerhardt kann sich in Feuer reden, wenn es zum Beispiel darum geht, junge Besucher ins Konzert zu bekommen, sie an die klassische Musik heranzuführen. Der freimütig erklärte Anzuggegner, der sich erinnert, unter den Brandenburgischen Konzerten als trocken vermitteltem Schulstoff gelitten zu haben, würde gern öfter auch vor seinen Konzertterminen in Deutschland in Schulen gehen. In Amerika praktiziert er das sehr erfolgreich. Wenn aber dann in Deutschland, wie jüngst erlebt, nur sechs Schüler vo ihm sitzen, teilt auch er mit Unverständnis die Probleme, die auch die Dessauer kennen. Einen besonderen jungen Zuschauer wird Alban Gerhardt jedoch bei seinem Auftritt am Freitagabend im Anhaltischen Theater haben. Mit seiner Frau ist auch der dreieinhalb Monate alte Sohn nach Deutschland gekommen. Der erlebt in Dessau sein allererstes Konzert. Antje Rohm, Dessauer Volksstimme, 20.Mai 1999
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