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Haydn C-Dur mit Christoph von Dohnanyi und dem NDR-Sinfonieorchester in der Hamburger Musikhalle
"...Fast uneingeschränkt war letzteres in Joseph Haydns C-Dur-Cellokonzert, war doch mit Alban Gerhardt ein junger Meistercellist zu Gast. Die warme edle Sanglichkeit, mit der er zumal die lyrisch versponnene Traumszene des Adagio adelte und den Satz so ganz nah an die Ausdruckstiefe der menschlichen Stimme rückte, war schlichtweg betörend. Sein schlanker, feiner und innerlicher Piano-Ton ist ein Ereignis. Selbst sein mit Doppelgriffen gespickter Virtuosenton der schnellen Außensätze bleibt zart fühlend und liebevoll, ist nur hier und da nicht vollends intonationsrein. Doch wer würde schon ein kalt makelloses Musizieren einer so vollkommen glaubwürdigen Kunst vorziehen?..."
Peter Krause, 23.Oktober 2006
 
Triokonzert mit Steven Osborne und L.Batiashvili in Hamburger Musikhalle
„Da lassen diese drei jungen Leute doch glatt Johannes Brahms auferstehen
...Ihr grandioses Debüt im kleinen Saal der Musikhalle ließ gleichwohl den Wunsch aufkommen, die drei möchten sich ernsthalft überlegen, ob sie ihre unverbrauchte Energie nicht entschiedener der Gattung des Klaviertrios widmen sollten. ..Mit viel Wärme und sinngerecht wechselndem Rollenverständnis tauchten Pianist und Streicher in den melodischen Strom des Allegro con brio. Messerscharf gab das Cello den Auftakt-Rhythmus des Scherzos vor. Das Frage-Antwort-Spiel zwischen Klavier und Streicherpaar im Adagio rührte an Grundfragen des Menschseins. Als exquisite Fundsache entpuppte sich sodann das zigeunerische Duo für Violine und Violoncello des Prager Komponisten Erwin Schulhoff. Zu orchestralen Klangräuschen steigerten sich alle drei schließlich in Ravels selten gespieltem Klaviertio mit vertrackten baskischen Rhythmen und altklassischen Ostinato-Variationen.“
Ll, 16. Januar 2003
 
Barberkonzert in der Berliner Philharmonie mit Jeunesses Weltorchester unter Carlos Kalmar
„Unter Strom gesetzt
... Samuel Barber hat gewiss nicht den Rang Nielsens, aber sein wundervolles Cellokonzert von 1945 sollte doch jeder Virtuose im Gepäck haben. Es vereint südländischen Charme mit einer entzückend romantisierenden Melodik -auch mit einigen heulenden Siegesmeldungen zum Schluss - und .ist. durch und durch mit grifftechnischen Schwierigkeiten gespickt. Alban Gerhardt spielte es, wie man es spielen muss: federnd unter Strom stehend, elektrisierend...“
10.Januar 2001
 
Haydn D-Dur in Hamburger Musikhalle mit Olaf Henzold und Hamburger Symphonikern
„...Schon zuvor hatten sich bei Haydn's D-Dur Cellokonzert die Symphoniker mit Alban Gerhardt zu prächtig aufeinander abgestimmter galanter Konversation zusammengefunden. Mit blitzsauberer Millimeterarbeit der Griffhand auch in den gefürchteten hohen Lagen, mit federnder Leichtigkeit und klanglichem Facettenreichtum gelang eine souveräne Wiedergabe des mit Finessen gespickten Werks. Ein grosse Erfolg für den 30-Jährigen, der sich nicht (wie gewöhnlich) mit einer Bach-Zugabe, sondern mit einem Satz aus Ligetis Solosonate für alle Zustimmung revanchierte...“
22.Februar 2000
 
Konzert mit Cecile Licad und Patrick Gallois im Schauspielhaus Berlin:
„Ein Trio des Schönklangs – Sie mögen es, wenn ihre Instrumente schön klingen: Patrick Gallois, der französische Zauberflötist, Alban Gerhardt, der sein Cello mit berückendem Timbre singen läßt…Die drei miteinander als Trio: Ein Schwelgen in Schönklang…“
Bth, 21. Februar 1999
 
Brahms-Sonaten bei Harmonia Mundi aufgenommen mit Markus Groh
„... Mit einer sehr gelungenen Aufnahme der beiden Cello-Sonaten von Brahms, dazu einer Transkription der Violinsonate op.78,1 meldet sich Gerhardt allerdings nun unüberhörbar zurück...Da haben sich zwei hörbar intelligente Musiker zusammengetan - und Grips hat bekanntlich auch beim Musizieren selten geschadet. Gerhardts sehr schön entwickelter, kontrollierter Celloton gibt schon beredtes Zeugnis dafür, dass hier nicht einer im Überschwang die Saiten sägt. Sein Spiel ist klug, ist geschmackvoll, geschliffen, souverän, dabei aber nicht die Spur abweisend. Auch so lässt sich eben trefflich musizieren. Dabei sind ihm die spieltechnischen Herausforderungen ein lässiges Vergnügen, dei Brahmssche Herbheit mehr Anlass zur Strengeund Charakterfestigkeit als zum rauschebärtigen Bramarbarsieren - was diesen Aufnahmen...etwas Junges, durchaus Heutiges gibt.“
19. Mai 1998
 
Recital im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie mit Ewa Kupiec
„Vertrackt virtuos: Benjamin Brittens Cellosonate...
.... So richtig legte Alban Gerhardt sich nach der Pause ins Zeug. Musik unseres Jahrhunderts war es, die Bravos herausforderte…Der Sohn eines Philharmonikers tritt uns als ein wirklich Fertiger gegenüber, der in die Nuancen der Werke eindringt…Das alles hat interpretatorischen Feinschliff…“
kbl, 8.Dezember 1994
 
Haydn D-Dur mit Hamburger Philharmonikern unter Gerd Albrecht
„...Auch der zweite Programmpunkt des Konzerts erwies sich als Glück: Mit dem 25jährigen Alban Gerhardt stand ein hochbegabter Solist für Haydns Cellokonzert parat, der über enorme technische Möglichkeiten, aber auch bereits über bezwingende Ausdruckskraft und Sensibilität verfügt...“
9. November 1994
 
Mit Hamburger Symphonikern Rokoko-Variationen unter Matthias Husmann
„Meister der leisen Töne...
...scheint ein Leib- und Magenstück des jungen Berliner Cellisten Alban Gerhardt zu sein. Nur einige Wochen nach seinem viermaligen Auftritte mit den Berliner Philharmoniker unter Semyon Bychkov spielte der 21jährige das Variationswerk in der Grossen Musikhalle: ein Meister der leisen Töne, der wie mit Zauberhand Klänge von traumhafter Noblesse, von schwebender Grazie aus seinem...Cello herausholte. Frei von jedem Sentiment, von jeder falschen Gefühligkeit gewann das viel strapazierte Stück geradezu eine neue Ausdrucksqualität...Stürmischer Beifall...“
Hans Christoph Worbs, 24. März 1992
 
Dvorakkonzert in Hamburg mit Philharmonikern unter Gerd Albrecht
„...Er beherrscht Dvoraks Cellokonzert bereits mit großer Sicherheit und hat ein Tonvolumen, das sich gegenüber massiver Orchesterdynamik zu behaupten weiß. Es stimm wirklich alles gut zusammen...“
Georg Borchardt, Welt, 30.Mai 1990
 
„Zur Person: Cello ist besser als Wale retten
„Ich bin kein Supertalent“, sagt Alban Gerhardt. „Zehn Prozent Begabung, neunzig Prozent harte Arbeit“ stecken hinter dem Erfolg des 29jährigen Solo-Cellisten, der letzte Woche mit dem Klassik-Preis „Echo“ als Nachwuchskünstler es Jahres ausgezeichnet wurde. Disziplin heißt das Zauberwort, mit dem der gebürtige Berliner allerdings schon als Kind auf Kriegsfuß stand: „Meine Mutter und ich haben mit Stühlen nacheinander geworfen! Ich hatte einfach keine Lust, jeden Tag zu üben.“ Der Sprößling wollte lieber Musikclown als Musiker werden – „aber dafür fehlte mir die Phantasie“. Das „genaue Gegenteil von einem Wunderkind“ sei er gewesen. Mit 12 spielte er Rostropowitsch vor. Der unterbrach ihn nach zwei Minuten und holte ihn „auf den Boden der Realität zurück“. Erst als Gerhardt 1990 zwei wichtige Wettbewerbe gewann, kam die Karriere aus den Startlöchern. Bis Anfang 2000 ist der Jungstar ausgebucht. So euphorisch wie jetzt, gab sich der Wahl-New Yorker nicht immer: Für Jahre verlor Alban Gerhardt sein Selbstbewußtsein, „zitterte nur noch“, weil er vor einem Konzert den ganzen Tag Eishockey gespielt hatte und als Folge davon am Abend die Hände so verkrampft waren, dass er kaum den Bogen halten konnte. Einmal sei ihm der vor Aufregung sogar während eines Konzerts aus der Hand gefallen. Inzwischen ist diese Unsicherheit überwunden, Gerhardt zeigt sich selbstsicher, ausgeglichen und unverkrampft. Dennoch: Zweifel und Zuversicht liegen dicht beieinander. In seinen „depressiven Phasen“ glaubt er, dass es dekadent sei, sein Geld als Cellist zu verdienen: „Denken Sie nur an die wirklich gravierenden Probleme unserer Zeit“, ereifert sich Gerhardt und gestikuliert mit seinen kostbaren Händen – die sind nämlich für 500000 Mark versichert! „Da müßte man doch bei Greenpeace oder Amnesty International arbeiten!“ Aber: „Ich bin kein großer Weltveränderer“, gesteht der Musiker. Anstatt Wale oder politisch Verfolgte zu retten, geht er in Schulklassen und versucht, „den Kids klarzumachen, dass Klassik genauso aufregend sein kann wie Hardrock oder Rap.“
29.Oktober 1998